DAS CAMP

Das Camp ist etwa 50 km von unserem Haus entfernt. Es gibt in näherer Umgebung auch keine Stadt. Somit ist das Erreichen mit einer einstündigen Fahrt verbunden. Diese geht an Townships vorbei, ist auf asphaltierten als auch auf ungepflasteter Straße, bis man an einen Eingang eines rießigen Areals ankommt, welches mehrere Menschen teilen. Durch dieses passieren wir die Dirt Road noch für einige Minuten, einen kleinen Fluss der durch eine selbstgebaute Brücke mithilfe von Säcken die mit Zement gefüllt sind, bis wir schließlich irgendwo in der Wildnis das Camp erreichen.

Nutzung der Dirt Road Richtung Camp


Auf dem Weg halten wir meistens zuvor an einer Tankstelle an, wo wir weitere Mitarbeiter abholen. Zu diesen gehören Nic, Leonardo, Calvin, Bradley, Denver und Marco. Alle Black bzw. Coloured. Außerdem ist es Tony gelungen, wenn auch unbewusst, Linus und mich damit zu verpflichten ein Samoosa zu kaufen bei unserem Zwischenstopp. Samoosa ist eine für gerade mal 7 Rand (umgerechnet etwa 50 Cent), indische Spezialität. Eine Teigtasche, die entweder mit Hühnchen oder etwas Vegetarischem gefüllt ist.


Ganz genau, sechs Mitarbeiter haben wir mitzunehmen. Dazu kommen selbstverständlich noch Linus, Tony und ich, die ebenfalls im Pick-up sitzen. Somit sind im Fahrzeug vorne sechs und in den Kofferraum quetchen sich vier weitere. Dies war glücklicherweise bisher weder der Fall für Linus noch für mich. Das ist allerdings insbesondere damit verbunden, dass uns die Mitarbeiter sehr respektieren und somit uns von dieser Unangenehmheit verschonen möchten.

Wie Bev gesagt hat:

Ihr Zwei gehört zur Familie Clarke.

Diesen Respekt habe ich jedenfalls am Anfang kontrovers betrachtet. Wir werden ebenfalls im Camp von den anderen Mitarbeitern besser behandelt und haben die Möglichkeit in einer besseren Hütte zu schlafen, weshalb ich befürchtete, dass uns die Integration schwer fallen würde. Wenn auch mir einfacher, schlicht weil ich Coloured bin und Linus White. Nichts desto trotz sind wir die Priveligierten und die Deutschen Freiwilligen zumal die meisten Mitarbeiter aus Townships kommen.

Zu unserem Glück waren die Befürchtungen jedoch nicht zutreffend. Es war uns in kurzer Zeit möglich ein unglaublich harmonisches und humorvolles  Verhältnis zu ihnen aufzubauen.


Bradley, Ich, Nardo und Calvin

Mitarbeiter von DV und ich beim Hiking

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Wir unterhalten uns über tiefgründige und private Themen. Mit letzterem meine ich besonders privates von Seiten der Mitarbeiter, das sie uns anvertrauen, was mich teilweise sehr überrascht hat. Da dies jedoch sehr privat ist und zum Teil die negative Vergangenheit mancher Arbeitskameraden umfasst, werde ich es aus Respekt gegenüber ihnen hierbei belassen.

Man kann denke ich pauschalisierend sagen, dass alle Mitarbeiter sehr christlich und gläubig sind. Einige haben religiöse Tatoos, andere zitieren Psalmen aus ihrem Kopf während eines Meetings, um ihre wünschenswerte Vorgehensweise biblisch zu erläutern. Sehr offen sind jedenfalls die Meisten, sodass manche ihr Menschen- und Weltbild sowie ihren Glauben mit uns teilen.

Eine interessante Anekdote möchte ich an dieser Stelle gerne erzählen. Nic hat mir diese am Tag der Abfahrt von  Die Heuwel (meine erste Schule im Camp) mitgeteilt. Er versuchte mir seine Ansicht hinsichtlich des Ungleichgewichts in Bezug auf des Wohlstandes von Weißen und Schwarzen bzw. Coloureds metaphorisch zu erläutern. Man müsse sich die verschiedenen „Rassen“ jeweils von einem Repräsentanten vertreten vorstellen. Dieser hat seine Hand entweder geschlossen oder offen. Nur eine offene Hand könne nach Gott greifen und nach Hilfe bitten. Dementsprechend sei es aber auch Gott nicht möglich dich zu unterstützen, wenn du Ihm eine Faust gegenüber zeigst. Dies sei auf die Rassen nun reflektierbar, denn nur die Weiße hätte eine solche offene Hand. Dies würde den durchschnittlich größeren Besitz erklären. Demnach sei jedoch alles deterministisch und man müsse nicht mehr zwischen relevant und irrelevant unterscheiden.


Bezüglich der Schlafplätze muss es genügend Kapazitäten für über 150 Schüler geben. Dies wird größtenteils durch Hütten erreicht, worin bis zu ca. acht Kinder/Jugendliche schlafen können. Der minimale Platz ist im Prinzip nicht problematisch, da diese sogenannten bunkhouses (Schlafbaracke) lediglich zum Schlafen gedacht sind. Für mehr wäre auch gar nicht Zeit, da das volle Programm dies nicht ermöglichen würde.

Programm für die Grundschule Die Heuwel 31. – 01. August


Das Programm mag sehr durchstruckturiert sein, was dieses möglicherweise etwas anstrengend aussehen lässt. Tatsächlich waren es aber vielmehr die Kinder, die uns sehr viel Energie gekostet haben. Sie hatten scheinbar unendlich viele Energiereserven und für ihren Bewegungsdrang war das Programm optimal. Es war dennoch eine sehr tolle Erfahrung. Ich war überrascht, dass sie uns schon soviel Verantwortung anvertrauen. So habe ich bereits ein Thema in der Theoriestunde „Bullying“ vorgetragen, worauf ich gar nicht (mental) vorbereitet war. Ich bin davon ausgegangen Nic dabei zusehen zu müssen. Spätestens bis er zu ca 60 Kindern in der Halle sagte:

So nun wird Joshua mit dem Thema Bullying fortfahren.

Also nahm ich mir das in meiner Hand bereits vorhandene Blatt zu diesem Thema und hielte den Vortrag. Natürlich war ich aufgeregt. Es ist mir denke ich dennoch gut gelungen, was der Applaus von den Kindern bestätigte.


Nachdem Die Heuwel von uns herzlich willkommen geheißen wurde und die Ice Breakers erfolgreich umgesetzt wurden, begann auch schon das Programm mit den sogenannten War cries- man denke an den Haka der Neuseeländischen Rugby Mannschaft. Die Kinder wurden in mehreren Gruppen aufgeteilt, die jeweils ihren eigenen War cry vorstellen sollten.

Danach folgte eine Aufteilung in drei Gruppen. Eine widmete sich dem Hindernisparkour, eine den Team Aktivitäten und eine weitere den Theoriestunden, wobei nach einer gewissen Zeit rotiert wurde.

 

Die Heuwel- War Cry

Leadership lessons

 

 

 

Hindernisparkour

 


Die Kinder haben sich mit um das Braii gekümmert. Währenddessen hatten Linus und ich eine interessante  Konversation mit einem neugierigen Lehrer, der uns alles mögliche über Deutschland und uns gefragt hat. Angefangen mit der Geschichte bishin zu Themen wie Rassismus und der deutschen Automobilindustrie.

Braii Vorbereitung

Nach dem Essen folgte die Talentshow. Es war wirklich sehr beeindruckend die einzelnen Auftritte der Kinder zu sehen. Sie singen und tanzen zu hören, als auch die Kultur mitzuerleben. Ihre Euphorie und Energie war unschlagbar, weshalb alle den Abend über sich sehr amüsiert haben und dies den kommenden Abschied am nächsten Tag erschwerte.


Allgemein ist ein wichtiges Ziel die Theorie größtenteils in die Praxis umzuwandeln. Dies wird durch erlebnispädagogische Spiele, Teambildung, Outdoor Aktivitäten, wie zum Beispiel Wandern auf Felsen, Abseilen, Paintball und einen Hindernisparkour erzielt. Neben diesen Angeboten sucht Tony stets weitere kreative Ideen, um das Camp zu optimieren. Linus und mir ist die Idee gekommen u.a. Menschenkicker, ein Volleyballfeld und Stand-up Paddling zu ergänzen. Letzteres ist natürlich nur möglich, da der angesprochene Wanderweg entlang eines Flusses/Sees geht der in einem Damm mündet. Darum ist Kanufahren ebenfalls ein Teil des umfangreichen Angebots.

Wanderweg

 

Damm


Um eine noch bessere Vorstellung vom Camp zu erlangen, sollen noch ein paar Bilder folgen. Ich möchte an dieser Stelle aber auch ein großes Lob an Linus Kreutzfeld richten, der für viele dieser großartigen Bilder verantwortlich ist.


So sieht es dann am Ende nach der Fertigstellung und dem Einölen aus

Da wir natürlich nicht die ganze Zeit über im Camp sind (wenn auch sehr häufig), gibt es auch abseits Arbeit. Dies bedeutet bei Tony, wo wir dann z.B. organisatorisches vorbereiten, Dinge bauen oder Teamspiele hinzufügen/kreieren. So war es in der ersten Woche eine Aufgabe von uns für die Badezimmer im Camp Holzrost zu bauen.

 

 


Für unseren letzten Klient, die High School Kingswood, war insbesondere die organisatorische Komponente sehr hochrangig. Dieser ist, jedenfalls im finanziellen Sinne, das Ereignis für Tony mit einer bereits seit 17 Jahren laufenden Partnerschaft. Einem wird bewusst, wie lange das eigentlich ist, wenn man bedenkt, dass Dynamic Vision 22 Jahre alt ist.

Bevor wir uns dem aber genauer mit Bildern und Videos widmen möchte ich zunächst meine Erfahrung mit der Nelson Mandela University (NMU) teilen, die Gruppe unmittelbar vor Kingswood.                                                                                                                                                                                                Genauer gesagt handelte es sich eigentlich um zwei Gruppen à 50 Personen von derselben Uni mit verschiedenem Fokus, die jeweils einen Tag und eine Nacht im Camp waren.

Um genügend Kapazität zu haben, insbesondere für Kingswood, mussten noch Zelte aufgestellt werden, was unser Leben erschwerte. Links im Bild haben wir eine überaus robuste Baumwurzel erst mithilfe vom Auto entfernen können. Rechts arbeiten wir daran den Boden zu nivelieren.

 

 

 

 


Eine lange Zeit ist vergangen. Mehr als vier Monate um ehrlich zu sein, die ich gebraucht habe um endlich mit meinem Blog fortzusetzen. Anfangs unterbrochen durch eine recht gravierende Magen- Darm- Grippe und dann fortgeführt mit progressiv verloren gegangener Motivation am Dabeibleiben.                                                                      In dieser langen Zeit ist selbstverständlich enorm viel passiert, wobei es mir nicht möglich sein wird jegliches Ereignis zu dokumentieren, noch halte ich dies für besonders sinnvoll. Vielmehr möchte ich versuchen, die Erinnerungen, die mir persönlich als wertvoll und einprägend erscheinen/erschienen sind festzuhalten und zu teilen. Dennoch möchte ich ebenfalls beenden, was ich bereits angefangen habe und dies war meine bereits angefangene beschriebene Erfahrung mit der essentiellen High School Kingswood College und der Universität Nelson Mandela Bay University (NMU).

Die erste Gruppe mit 50 NMU Studenten und einem Fokus auf die Naturwissenschaften, erreichte unser Campingplatz am 07.09.2017. Die Intention bei beiden Gruppen war jedoch ein und dieselbe: eine gewisse Bindung, Zusammenspiel und Vertrauen sowie Freundschaft unter den Studenten zu schaffen. Tatsächlich war es so, dass sie sich untereinander sehr unzureichend kannten. Und hier wurde besonders Wert auf eine Vorbeugung von Seperation gelegt- ein grundlegendes Problem in Südafrika. Zu meiner eigenen Überzeugung ist unser Ziel uns geglückt, was uns durch zahlreiche Teamspiele, Teamdynamik, Theoriestunden und am Abend durch eine entspannte Stimmung mit Musik und interessanten Konversationen am Lagerfeuer.

Wie auch schon bei der Grundschule Die Heuwel begann der Tag nach den Ice Breakers und den Grundregeln mit den War Cries, gefolgt von den Human Machines.

 

 

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Letzlich dreht sich vieles um das Funktionieren und das Management des Camps, da es eine wesentliche Geldquelle neben der Partnerschaft mit VW, Cannon und DHL darstellt.

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